Liebe Leserin, lieber Leser

ich grabe in meinem Bergwerk nach Texten und finde: Nuggets, Kristalle, Edelsteine und viel zu oft Katzengold. An den Fundstücken klebt Schlamm. Sie müssen gewaschen und poliert werden. Das alles mache ich hier nicht.

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Der Turm von Gwallor

14
Mrz
2009

Die "Vier Zedern"

Man konnte sie nicht verfehlen. Jeder Reisende, der von Norden die Straße herauf kam, blieb unweigerlich stehen und kniff die Augen zusammen, um gegen die Sonne zu blicken. Einen Moment blinzelte er, dann schnaufte er vielleicht erleichtert oder ein Lächeln stahl sich in seine Mundwinkel und er schritt geradewegs auf die Schenke zu, die sich mit ihren Pfählen an den Hang unter den vier Zedern krallte. Von weiten glich sie einem alten Kater, der einen Buckel macht und seine Schläfe schnurrend an den Stämmen reibt. Mochten einige Häuser im Dorf auch älter oder weniger baufällig sein, ließ die "Vier Zedern", wie die Schenke von je her hieß, keinen Zweifel aufkommen, dass dies ihr Platz war. Sie wirkte wie jemand der genau wusste, wohin er gehörte, wie jemand, der nicht um seinen Platz kämpfen musste, weil niemand vor ihr gewagt hatte, sich darauf nieder zu lassen. Ihr Grundstück hatte auf sie gewartet; das wusste sie und genau deswegen empfing sie jeden Reisenden, sei er ein reicher Händler oder ein heimatloser Spielmann, mit der gleichen Gastfreundschaft.

Erst wenn man näher herankam, sah man die Narben, die Sommerhitze und Winterstürme in ihrem hölzernen Körper hinterlassen hatten. Die Latten überzog ein schwarzer Schatten der aussah wie Rauch, der von einem unsichtbaren Schwelbrand aus dem Holz strömt. Wenn man die Stufen zur Veranda herauf ging und vor dem Eingang kurz stehen blieb, meinte man einen schwachen aber scharfen Schwelgeruch nach abgestandenen Erinnerungen, erloschenen Sehnsüchten und vergessenem Zorn zu riechen. Die Dielen knarrten unter den Schritten. Unter dem Vordach der Veranda nisteten Schwalben. Die grauen Schindeln auf dem Dach wirkten wie vertrocknetes Laub, das sich in den Stacheln eines Igels verfangen hatte.

Die Scharniere der Eingangstür waren rostig und quietschen, wenn ein Gast eintrat. Der Schankraum war ungefähr quadratisch. Zur Straße hin gab es glaslose Fenster, vor die bei schlechtem Wetter Lederhäute gespannt wurden. Tische und Stühle standen durcheinander, die sich die Gäste zusammen schoben, wie sie es wollten. Die Sitzflächen und Lehnen der Stühle bestanden aus Korbflechten. Die Tisch waren übersät mit Kerben, weil die Gäste es gewohnt waren, ihre Messer beim Essen in Platte zu rammen. In der Mitte des Raumes war ein dunkler Fleck in die Dielen eingetrocknet, aber weder der Wirt noch die ältesten Dörfler konnten sagen, ob er von Blut oder Rotwein rührte. Den Schankraum teilte ein schmaler Tresen, hinter dem gerade soviel Platz war, dass sich zwei aneinander vorbei zwängen konnten. In den Tresen eingelassen war ein Bottich, der zum Spülen der Krüge und Teller diente. Neben dem Bottich lagen in einer Art Wanne zwei Fässer. Eines enthielt Bier das andere eine Limonade, die der Wirt selbst aus Wasser, Essig, Ahornsirup und diversen Gewürzen braute. Im Regal hinter dem Tresen stapelten sich Tonkrüge und Geschirr, daneben standen Weinflaschen, Kohlköpfe, Körbe mit Brot und geschälten Kartoffeln und Dosen mit Gewürzen. Außerdem präsentierte der Wirt einige der sonderbaren Geschenke, die er von Reisenden erhalten hatte, wie den mumifizierten Kopf eines Gorillas und den Stoßzahn eines Narwals. Ein gemauerter Grill mit Kamin durchstieß eine Seitenwand, den der Wirt morgens früh entfachte und erst löschte, nachdem die letzten Gäste gegangen waren oder sich schlafen gelegt hatten. Auf dem Grill kochte der Wirt Gemüse und Eintöpfe oder briet Wild. Da die Schenke nur zur Straße hin Fenster hatte, die zu klein waren, um Durchzug zu liefern, war die Luft im Schankraum stets erfüllt mit einem Dunst aus zubereiteten Speisen und dem Rauch von Pfeifen und Zigarren, die besonders abends genossen wurden. Dahinein woben sich die Ausdünstungen der Gäste, der Knechte und Mägde, der Händler und Huren, der Dörfler und Fremden, der Jungen und Alten; Kinder lernten hier zu laufen, Jünglinge zu küssen und Liebespaare die Eifersucht zu fürchten. Die "Vier Zedern" saugte alles auf und schwitzte es wieder aus. Jeder, der hier öfters einkehrte, ließ einen Teil von sich zurück. Nicht wenige kamen nur wieder, weil sie sich, ohne es zu wissen, nach ihrem Verlust sehnten.

9
Feb
2009

Schreiben Sie einen magischen Bestseller!

So lautete das Motto für den Schreibwettbewerb des Heyne-Verlages, für den morgen der Einsendeschluss ist. Ich habe mich während der letzten Wochen mehrmals dafür und dann dagegen entschieden, teilzunehmen. Aber egal, wie gerade meine Entscheidung war, ich träumte immer davon ihn zu gewinnen. Mein Wettbewerbsbeitrag liegt jetzt in einem Container der deutschen Post. Für seine Reise auf die Bestsellerliste konnte ich ihn leider nur mit dem nötigsten versehen. Antanas wird frieren, denn sein Schlaflager für die Nacht besteht aus gerade einmal 38 löchrigen Seiten, durch die ein Gestöber aus Tipp- und Rechtschreibfehlern weht, das er auch noch mit Rambald teilen muss. Das Exposé, das ich ihm zur Verpflegung mitgab, ist wohl auch nicht sehr nahrhaft. Hoffentlich kommen die beiden noch rechtzeitig in München an und finden einen toleranten Lektor, der ihre Qualitäten trotz ihres fragwürdigen Zustandes erkennt. Ich wünsche den beiden eine gute Reise und träume weiter den Preis zu gewinnen. Ich kann nicht mehr für sie tun.

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