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13
Mai
2007

Der Fluch der goldenen Blume

Man cheng jin dai huang jin jia
Selten sehe ich einen Film im Kino, über den ich nicht schon etwas weiß. Meistens bin ich voreingenommen auf Grund von Aussagen von Freunden oder von Kritiken, die ich in einer Zeitung gelesen oder im Radio gehört. habe. Als mich am Freitag Oliver anrief, weil ich ihn auf seiner Mobilbox gefragt hatte, ob er "Spiderman 3" schon gesehen hätte, fragte er, ob ich heute (d.h. am Freitag) Zeit hätte ins Kino zu gehen. Er wollte unbedingt Der Fluch der goldenen Blume sehen, den neuen Film des chinesischen Regiesseurs Zhang Yimou, der auch die Martial Arts-Dramen Hero und House of Flying Daggers gedreht hatte. Beide Filme habe ich gesehen. "Hero" fand ich nicht so gut. Sicher ein Film mit farblich brilliant komponierten Bilder und furiosen Kampfszenen, allerdings fand ich die Story etwas flach und er kam mir damals auch wie ein Plagiat auf Crouching Tiger, Hidden Dragon vor. "House of Flying Daggers" habe ich leider nur einmal gesehen, der gefiel mir aber sehr gut. Als ich mit Oliver telefonierte, erinnerte ich mich an meine Eindrücke von "Hero" und "House of Flying Daggers". Oliver erzählte noch, dass "Der Fluch der goldenen Blume" farbenprächtige und grossartige Bilder haben sollte. Bis dahin hatte ich von dem Film noch nichts gehört. Nachdem ich im Netz recherchiert hatte, in welchem Kino er lief, beschlossen wir ihn zu gucken. Das war gegen 19:15, er sollte um 20 Uhr im Capitol gezeigt werden. Ich hatte endlich wieder das Privileg, einen Film selbst entdecken zu können.

"Der Fluch der goldenen Blume" handelt im 10. Jahrhundert n. Chr. zur Zeit der Tang-Dynastie in China. Er beginnt mit der Rückkehr des Kaisers und seines zweiten Sohnes, des Prinzen Jie, an den Hof in Peking. Der Kaiser will in seiner Residenz das Chong Yang Fest feiern. Während seiner Abwesenheit entwickelte sich zwischen seinem Erstgeborenen, dem Kronprinz Xiang, und seiner zweiten Frau ein heimliches Verhältnis. Der Kaiser hatte vor Jahren die Mutter seines ersten Sohnes verstoßen, um die jetzige Kaiserin zu heiraten. Er weiß von diesem Verhältnis und hat seinen Arzt beauftragt, die Kaiserin durch eine Veränderung in der Rezeptur eines Medikamentes, das sie seit Jahren täglich nimmt, langsam zu vergiften. Die Tochter des Arztes und der ungeliebte dritte Sohn, Prinz Cheng, haben ebenfalls ein Verhältnis. Aus dieser Ausgangssituation heraus entfalten sich Intrigen und Machtkämpfe, die in einem Aufstand der Kaiserin gegen ihren Gatten und einer Schlacht auf einem Platz in der verbotenen Stadt gipfeln.

Der Film beginnt sehr ruhig, fast statisch, die Figuren bewegen sich durch den kaiserlichen Palast, der mit prachtvollen Teppichen und Behängen aus rotgolden leuchtenden Stoffen aus gestattet ist. Es regiert die Hofzeremonie. Obwohl die Kaiserin die Wirkung des Giftes spürt, bewahrt sie die Fassung und den äußeren Schein, stets ist sie geschminkt und trägt eine aufwändige Frisur. Langsam bröckelt die Fassade und die Gefühlsregungen der Figuren treten hervor. Als die Situation eskalliert tritt die Kaiserin fast von einer Einstellung zur nächsten ungeschminkt auf. Die erste Hälfte ist handlungsarm. Man hat eher den Eindruch einer kammerspielartigen Studie über Macht. Bis auf wenige Ausnahmen spielt der Film ausschließlich innerhalb des Palastes. Das Volk spielt im gesamten Film eine unbedeutende Nebenrolle. Wenn es überhaupt auftaucht dann als anonyme Masse von Bediensteten oder Soldaten.

Ab der Mitte des Films machte ich mir Gedanken, wie er zu interpretieren ist. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Regiesseur einfach nur eine spannende Geschichte erzählen wollte, dazu entdeckte ich zu viele Hinweise auf die gegenwärtige politische Situation in China, an die Unterdrückung der Demokratiebewegung und ganz besonders an das Tian'anmen-Massaker (Wikipedia).

Als Prinz Jie mit einem Heer, das die Kaiserin heimlich aufgestellt hat, den Palast stürmt, wird es von den Truppen des Kaiser, die den Aufständischen zahlenmäßig weit überlegen sind, umstellt und niedergemetzelt. Allein Prinz Jie überlebt Blut überströmt und wird verhaftet. Kaum ist die Schlacht zu Ende, verschwinden die kaiserlichen Truppen so plötzlich wie sie vorher auftauchten und Aufräumenarbeiter schwärmen über den Platz, um das Blut und die Leichenberge weg zu kehren und den Platz für das Chong Yang Fest wieder mit Chrysanthemen zu schmücken. Augenblicke später erinnert nichts mehr an das Blutbad und spätestens bei dieser Szene drängte sich mir der Bezug auf das Tian'anmen Massaker (gegen das Vergessen) auf.

Am Ende des Films stellt der Kaiser seinen Sohn zur Rede, den er am Anfang gemahnt hatte, dass Prinz Jie sich nichts nehmen solle, was er(der Kaiser) ihm nicht gebe. Er fordert von seinem Sohn Loyalität und, dass er darauf achtet, dass die Kaiserin ihre Medizin, die sie in den Wahnsinn treibt, nimmt. Für mich repräsentiert der Kaiser die kommunistische Partei Chinas und ihre Herrschaft über das Volk und das Gift, das die Kaiserin nimmt, ist die Propaganda der Partei. Und welches Fest will der Kaiser feiern? Als über dem Palast des Kaisers das Feuerwerk für das Chong Yang Fest leuchtet, musste ich unweigerlichen an die Feuerwerke denken, die 2008 während der olympischen Spiele in Peking über der verbotenen Stadt brennen werden. Prinz Jie widersetzt sich seinem Vater und tötet sich selbst mit einem Schwert. Alle drei Söhne des Kaiser sind tot. Ihr Blut besudelt die Vorhänge und Teppiche des kaiserlichen Palast, aber es fällt auf den prachtvollen roten Stoffen kaum auf.

Ich weiß nicht, ob meine Interpretation des Film mit den Intentionen des Regiessuers übereinstimmt. Ich wollte einfach die Gedanken beschreiben, die der Film in mir auslöste. Abgesehen davon ist "Der Fluch der goldenen Blume" ein beeindruckenes, bildgewaltiges Erlebnis.

2
Jul
2006

Das Leben der Anderen

Heute Morgen beim Frühstück las ich im Feuilleton der ZEIT einen Artikel über die Art, wie in Deutschland der DDR gedacht. Mir wurde dabei auf einmal klar, dass ich die Vergangenheit der DDR niemals als Teil meiner eigenen Vergangenheit angesehen habe; ganz im Gegensatz zum Nationalsozialismus und zum Holocaust, die in meinem Bewusstsein immer wieder aufflackern, die ich als Teil meines Deutsch-Seins angenommen habe. Aber was geht mich die DDR an? Als mit Beginn der Fussball-WM die Deutschlandfahnen auf Autodächern flatterten, fragte ich mich, ob die Besitzer der Autos sich der Tragweite ihres Bekenntnisses zu Deutschland bewusst waren: Ob sie sich auch zu den Gasschwaden, Rauchwolken und Leichenbergen bekennen, die meinen Blick zurück in die deutsche Vergangenheit verstellen? Ich fragte mich aber nicht, ob die Fahnenspazierfahrer sich zu den Opfern des DDR-Regimes bekennen.

Ich bin ein Wessi, und wie es sich für so ein Individuum gehört, haben mir während meiner Schulzeit wohlmeinde (wahrscheinlich linkslieberale 68er) Lehrer das schlechte Gewissen wegen der deutschen Geschichte eingeimpft. Als ich in der neunten oder zehnten Klasse war, lief in mein Heimatstadt der Film "Shoa", eine über sechstündige Dokumentation über den Holocaust, bestehend aus Interviews mit Zeitzeugen. Ich glaube alle Jahrgänge ab der neunten Klasse wurden damals von der Schule dazu abkommendiert, den Film zusammen mit Lehrern zu sehen, viele meiner Mitschüler empfanden das so, und zeigten es, indem sie während der Vorstellungen Desinteresse und Gleichgültigkeit demonstrierten. Einige Jahre lief "Shoa" im WDR, ich habe jede Folge gesehen und würde es heute wieder tun.

Vor einigen Wochen habe ich "Das Leben der Anderen" gesehen. Als der Abspann lief, zitterte ich fast am ganzen Körper, so intensiv empfand ich den Film
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