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25
Mai
2007

Doping

Nun outen sie sich alle reihenweise: Gestern Erik Zabel und Rolf Aldag, heute Bjarne Riis. Ein Radsportprofi nach dem anderen gibt zu mit unerlaubten Mittel gedopt zu haben. Der Aufschrei in der Öffentlichkeit ist groß. Alle fordern vollkommene Aufklärung, Bestraffung der Deliquenten und schärfere Überwachung der Sportler.

Als höchstens mäßg sportbegeisterte Bürgerin reibe ich mir verwundert die Augen. In was für einem Land leben wir eigentlich? All jene, die sich jetzt so über Doping im Leistungssport aufregen, sind das nicht auch genau diejenigen, die Sportler Versagen vorwerfen, wenn diese nicht als erste durchs Ziel fahren oder ganz oben auf dem Siegerpodest stehen? Die jetzt von Moral und Anstand im Sport reden, sind das nicht auch diejenigen, die nörgeln, wenn die Medaillienausbeute nach internationalen Meisterschaften oder olympischen Spielen nicht so hoch ist, wie sie es sich erhofften? Haben die wirklich geglaubt, dass Hochleistungssport, wie er seit Jahren von Reportern, Zuschauer und Funktionären bejubelt wird, ohne Doping möglich ist? Hat tatsächlich jemand geglaubt, dass Sportler dem Druck widerstehen können, der von der Öffentlichkeit und den Sponsoren auf sie ausgeübt wird, und nicht dopen?

Dass Doping seit Jahren im Radsport ein so weit verbreitetes Phänomen ist, liegt an den geradezu übermenschlichen Leistungen, die den Fahrern abverlangt werden. Man muss sich einmal vorstellen, wie z.B. die Tour de France abläuft. Vor einigen Jahren berichtete in der ZEIT ein Reporter von seinen Erfahrungen, als er versuchte eine der schweren Pyrenäen-Etappen. Es war eine einzige Qual für ihn, obwohl er die niedrigsten Übersetzungen wählte. Die Profis kurbeln sich mit viel höheren Übersetzungen die Steigungen hoch. Die Profis fahren an einem Tag eine Etappe, die bis zu 200km lang ist, quälen sich auf ihren hochgezüchteten Drahteseln die unglaublichsten Steigungen hoch. Wenn sie im Ziel ankommen, sind sie fertig, aber dann schlafen sie ein paar Stunden, und am nächsten Tag fahren sie die nächste Etappe. Was die Fahrer leisten ist unglaublich und sie verdienen dafür Respekt, egal, ob sie gedopt sind oder nicht. Ein Arbeitskollege, der selbst Radsportler ist, meinte zu der Leistung der Profis: "Das ist Radfahren von einem anderen Stern"

In einem Artikel auf der N-TV Seite las ich diesen Satz eines Anwaltes von Jan Ullrich: "Sie müssen begreifen, dass man über die Pyrenäen nicht mit 40 km/h fahren kann als Radfahrer, sie müssen begreifen, dass man 250 Kilo ohne Stimulanzen nicht hochheben kann."

Dies ist wahrscheinlich der einzige aufrichtige, nüchterne Satz, der in den letzten Wochen zum Thema Doping geschrieben wurde. Die einfache Erkenntnis lautet: Hochleistungssport ohne Doping gibt es nicht. Die Frage, die daraus folgt ist: Was ist eigentlich so schlimm an Doping? Wenn Doping Sportler zu den Leistungen befähigt, die wir alle von ihnen erwarten: Was spricht dann gegen Doping? Die einfache Antwort auf diese Frage ist: Nichts!

Die einzige ehrliche Art mit Doping umzugehen wäre, es uneingeschränkt zu erlauben. Jedem Sportler sollte es frei gestellt sein, welche Mittel und wie viel er davon nimmt. Wenn er wirklich nach Gold greifen will, muss er eben den Preis zahlen, eventuell seinen Körper zu ruinieren.

Und wir Zuschauer, welchen Preis hätten wir zu zahlen? Wir müssten mit dem schlechten Gewissen leben, einen Sport zu bejubeln, der nicht so rein und edel ist, wie wir ihn wünschen. Das ist der Preis, wenn gelten soll: "Höher! Schneller! Weiter!"

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