Stille
In meiner neuen Wohnung beginne ich etwas zu schätzen lernen, dem ich mich in meiner alten Wohnung nur sonntags beim Frühstück aussetzte, nämlich der Stille. Wenn ich in meiner alten Wohnung morgends aufstand und mein Frühstück bereitete, schaltete ich zuerst das Radio meiner Stereoanlage ein. In meiner alten Wohnung ging das, weil Küche, Ess- und Wohnzimmer ein Raum waren, in dem eben auch meine Anlage stand. An Werktage hörte ich meistens das Morgenecho auf WDR5 oder die "Informationen am Morgen" des Deutschlandfunk. Samstags frühstücke ich meisten erst gegen 9 Uhr, dann sind die morgendlichen Nachrichtenmagazine im Radio schon vorbei; und ich hörte stattdessen im Deutschlandfunk das Wochenendjournal und "Classic-Pop-et cetera". An Sonntagen aber blieb in meiner alten Wohnung das Radio aus, weil zu den Zeit, zu denen ich sonntags frühstücke, auf WDR5 und im Deutschlandfunk Gottesdienste übertragen werden, die ich beim Frühstück nun wirklich nicht brauche. Manchmal schaute ich "Kopfball" in der ARD oder eine Reportage in WDR3 und natürlich um 11:30 die "Sendung mit der Maus".
In meiner neuen Wohnung geht das alles nicht. In meinem jetzigen Esszimmer habe ich noch kein Radio und auch kein Fernseher, weil der im anderen Zimmer steht (dort aber auch noch nicht angeschlossen ist). Im Wohnzimmer steht jetzt auch meine Anlage, die zwar schon an die Antennenbuchsen angeschlossen ist, aber der Radioempfang ist eher bescheiden. Während der ersten Wochen hörte ich morgends oft Radio über mein Handy, aber die Knöpfe im Ohr sind auf die Dauer etwas unbequem. Deshalb passiert es jetzt immer öfter, dass ich mich zwar von meinem Radiowecker aus dem Schlaf reißen lasse aber beim Frühstück dann nichts höre. Es ist dann einfach nur still in meiner Wohnung. Ich mach eine irritierende Beobachtung: Je öfter ich diese Stille zulasse desto angenehmer wird sie. Ich habe die Stille auch früher schon in meiner alten Wohnung genossen, aber nur sonntags, während ich beim Kaffee die ZEIT las. Die Stille in meiner alten Wohnung ist auch anders als die Stille in meiner neuen Wohnung. Meine lag Wohnung lag im Erdgeschoss zur Straße raus, Passanten gingen vorbei, schauten herein, Autos fuhren vorüber. Meine neue Wohnung liegt zwar auch im Erdgeschoss aber nicht zur Straße sondern nach hinten. Von Straßenlärm kriege ich jetzt nichts mehr mit.
Ich sitze jetzt oft morgends beim Frühstück und lausche der Stille, manchmal habe ich noch nicht einmal das Bedürfnis nebebei etwas zu lesen, um die Stille nicht durch Worte in meinem Kopf zu stören. Jede Stille ist anders, jeden Morgen ist die Stille anders. Jemand geht durchs Treppenhaus zur Arbeit, im Garten zwitschern Vögel, der Wind rauscht durch die Bäume oder drückt gegen die Scheiben, Regen prasselt gegen die Fenstern, eine meiner Katzen liegt schnurrt auf meinem Schoss oder frisst schmatzend oder reibt ihr Köpfen an einem Stuhlbein. Selbst eine Wand, ein Fussboden, eine Spüle, ein Kühlschrank machen Geräusche. Die Stille kann so laut sein, dass einem die Ohren aufgehen, sie kann dann auch bedrückend sein, weil sie einem deutlich macht, dass man allein oder einsam ist, je nach der Stimmung, in der man sich befindet.
Manchmal frage ich mich, was die Leute früher gemacht haben, als es noch keine Radios oder ähnliche Lärm ausspuckende Geräte gab. Ob deren Verhältnis zur Stille natürlicher war als unseres, die wir doch im bestrebt sind die Stille zu vertreiben.
In meiner neuen Wohnung geht das alles nicht. In meinem jetzigen Esszimmer habe ich noch kein Radio und auch kein Fernseher, weil der im anderen Zimmer steht (dort aber auch noch nicht angeschlossen ist). Im Wohnzimmer steht jetzt auch meine Anlage, die zwar schon an die Antennenbuchsen angeschlossen ist, aber der Radioempfang ist eher bescheiden. Während der ersten Wochen hörte ich morgends oft Radio über mein Handy, aber die Knöpfe im Ohr sind auf die Dauer etwas unbequem. Deshalb passiert es jetzt immer öfter, dass ich mich zwar von meinem Radiowecker aus dem Schlaf reißen lasse aber beim Frühstück dann nichts höre. Es ist dann einfach nur still in meiner Wohnung. Ich mach eine irritierende Beobachtung: Je öfter ich diese Stille zulasse desto angenehmer wird sie. Ich habe die Stille auch früher schon in meiner alten Wohnung genossen, aber nur sonntags, während ich beim Kaffee die ZEIT las. Die Stille in meiner alten Wohnung ist auch anders als die Stille in meiner neuen Wohnung. Meine lag Wohnung lag im Erdgeschoss zur Straße raus, Passanten gingen vorbei, schauten herein, Autos fuhren vorüber. Meine neue Wohnung liegt zwar auch im Erdgeschoss aber nicht zur Straße sondern nach hinten. Von Straßenlärm kriege ich jetzt nichts mehr mit.
Ich sitze jetzt oft morgends beim Frühstück und lausche der Stille, manchmal habe ich noch nicht einmal das Bedürfnis nebebei etwas zu lesen, um die Stille nicht durch Worte in meinem Kopf zu stören. Jede Stille ist anders, jeden Morgen ist die Stille anders. Jemand geht durchs Treppenhaus zur Arbeit, im Garten zwitschern Vögel, der Wind rauscht durch die Bäume oder drückt gegen die Scheiben, Regen prasselt gegen die Fenstern, eine meiner Katzen liegt schnurrt auf meinem Schoss oder frisst schmatzend oder reibt ihr Köpfen an einem Stuhlbein. Selbst eine Wand, ein Fussboden, eine Spüle, ein Kühlschrank machen Geräusche. Die Stille kann so laut sein, dass einem die Ohren aufgehen, sie kann dann auch bedrückend sein, weil sie einem deutlich macht, dass man allein oder einsam ist, je nach der Stimmung, in der man sich befindet.
Manchmal frage ich mich, was die Leute früher gemacht haben, als es noch keine Radios oder ähnliche Lärm ausspuckende Geräte gab. Ob deren Verhältnis zur Stille natürlicher war als unseres, die wir doch im bestrebt sind die Stille zu vertreiben.
sarah.tegtmeier - 12. Jan, 22:42